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Die Geschichte Katzensteins

Burg Katzenstein

Ein geschichtlicher Mittelpunkt der Großgemeinde ist die Burg Katzenstein. Sie ist ein Diamant unter den verschiedenen Kleinodien der zu Dischingen gehörenden Härtsfelddörfer, ja sie gilt über die Grenzen der Ostalb hinaus als Musterbeispiel einer staufischen Burg.

Wenn man die Burg in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sah, erschrak man über den fortschreitenden Verfall und über die entsetzliche Verwahrlosung dieses „Eulennestes“. Als dann noch die Zehntscheuer auf dem Burgareal durch Blitzschlag zerstört worden war und sehr lange die massiven, rauchgeschwärzten Giebel in den Himmel ragten, schien das schlimme Schicksal einer langsam zur Ruine werden Burg besiegelt zu sein. Das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg und der damalige Besitzer haben die bauliche und kunsthistorische Bedeutung, aber auch die einmalige Schönheit dieser romanischen Anlage erkannt. Ab 1967 wurden unter hohem finanziellem Aufwand und Opfern Restaurierungsarbeiten an der Burg durchgeführt. Besonders hervorzuheben sind der Ausbau des staufischen Palas und die großartige Restauration der romanischen St. Laurentius-Kapelle, in der Fresken von unschätzbarem Wert (die ältesten von 1250 – 1280) freigelegt wurden. Der Altarstein trägt die Inschrift von 1410. Immer wieder gibt es romanische Spuren. Unter dem Palas liegt die Brunnenhalle mit zwei gewaltigen Tonnengewölben, Rundbogen und Pfeilern. Die Rückwand des Raumes ist der natürliche Fels. Hier liegt auch der 30 Meter tiefe, in den Fels gehauene Brunnen.
Der mächtige Bergfried, Katzenturm genannt, scheint mit dem Fels geradezu verwachsen zu sein. Er ist mit großen Buckelquadern viereckig gebaut, über 20 Meter hoch, mit 2,50 – 3 Meter dicken Mauern. In seinem mittleren Stock steht ein großer romanischer Steinkamin, in dessen Kämpfer (Kragstein) heraldische Zeichen von Katze und Lilie eingemeißelt sind. Auch die befestigte hohe Ringmauer mit Umlauf wurde damals renoviert.

Der Weiler Katzenstein entstand aus dem 1354 genannten Bauhof und Vorhof der Burg. Die Zahl der Häuser vergrößerte sich mit der Zeit und heute sind es rund 160 Einwohner.
Die ersten Besitzer der Burg, die Herren von Cazzenstein, sind als Lehensleute der Grafen von Dillingen 1099 erstmals urkundlich erfasst. 1153 wird Rudegerus de Kazzenstein und 1204 Albert von Katzenstein genannt. Ihnen folgten 1236 Friedrich, 1280 Heinrich und 1288 Konrad von Katzenstein. Letzterer hatte später seinen Sitz in Dillingen.
Im 13. Jahrhundert war die Burg in Händen einer Linie von Hürnheim, die sich seit 1262 ebenfalls nach Katzenstein nannte und bis zu ihrem Aussterben 1424 diesen Namen fortführte, obgleich Herdegen von Katzenstein 1354 die Burg samt allem Zubehör (auch die Vogtei über Frickingen, Güter in Dischingen, Schrezheim usw.) an die Grafen von Oettingen verkaufte. Diese verpfändeten schon wieder vor 1364 Katzenstein an Graf Ulrich von Helfenstein und dessen Sohn. Zur Herrschaft gehörten damals außer dem Weiler Katzenstein Frickingen, Iggenhausen, Hofen, Schrezheim, Teile von Dunstelkingen sowie der Weihnachtshof (jetzt abgegangen).
Etwas später finden wir die Burg als Lehen in den Händen der an vielerlei Orten begüterten Herren von Westerstetten, welche auch 1382 mit Berthold I. von Westerstetten eine Katzensteiner Linie begannen. Weitere Namen dieser Linie, die immer wieder als Besitzer in den einzelnen Ortsteilen der Großgemeinde auftauchen, sind: Hans, Lorenz, Berthold, Diepold und Wolf Dieterich von Westerstetten. Als letzterer 1569 starb, erbten vier Töchter und Schwiegersöhne. Zwei davon verkauften ihren Teil an Graf Wilhelm von Oettingen. Der dritte Tochtermann überließ seinen Anteil dem vierten, nämlich dem Wilhelm Schenk von Stauffenberg, der auch einige Zeit „zu Katzenstein“ saß. Dessen Kinder verkauften 1589 ebenfalls an die Grafen von Oettingen, die nun Alleinbesitzer waren. Damit waren alle Streitigkeiten, die wegen der Zuständigkeit der hohen Gerichtsbarkeit zwischen Westerstetten und Oettingen entstanden waren und lange fortdauerten, endlich erloschen. Die Burg kam in den Besitz der Grafen von Oettingen-Baldern. Kurz vor dem Ende des dreißigjährigen Krieges, 1648, wurde die Burg von Schweden und Franzosen unter Feldmarschall Horn zwei Tage mit schwerem Geschütz beschossen, mehrmals angegriffen und schließlich eingenommen. 1669 ließ sie Graf Friedrich Wilhelm von Oettingen wieder herstellen und gründete eine eigene Katzensteiner Linie, die aber später nach Schloss Baldern übersiedelte und die Burg Katzenstein nur noch als Sommersitz benützte. Ein oettingisches Pflegamt blieb jedoch bis 1810 dort, wozu Frickingen, Iggenhausen, Dunstelkingen, Schrezheim und der Weihnachtshof gehörten.
Als die Linie Baldern erlosch, fiel Katzenstein 1798 an das Haus Oettingen-Wallerstein. In unserem Jahrhundert wechselten dann die Besitzer sehr häufig. Wir finden vor dem Zweiten Weltkrieg einen Stuttgarter Bürger, der durch Adoption den Namen Graf Stuber Caboga Locatelli annahm, dann einen Reeder aus Hamburg namens Edler, dessen hochbetagte Witwe bis zuletzt auf der Burg lebte. Die Besitzer Holl retteten die Burg in den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts und entfalteten sie mit Hilfe der staatlichen Denkmalpflege zu neuer Blüte. Ihre Liebe zur Burg, ihr historisches Denken und ihr persönlicher Einsatz kann am besten verstanden werden, wenn man weiß, dass sie Nachkommen jenes berühmten Elias Holl sind, der das Rathaus, das Zeughaus und den Perlachturm in Augsburg gebaut hat.

Danach erlebte die Burg unter dem Besitzer Merl eine weitere wechselvolle Zeit. Am 13. Februar 1987 musste die Burg gar versiegelt werden, um Schäden zu vermeiden. Der sich wieder verschlechternde bauliche Zustand machte 2000 gar eine Straßensperrung an der Burg erforderlich, welche erst nach notwendigsten Sicherungsmaßnahmen wieder aufgehoben werden konnte. Die Burg war bis 2005 nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich.
An die 200 "Glücksritter" sind im Laufe der Jahre vor der Tür gestanden und hätten sich für Katzenstein interessiert. Nach der Übernahme durch das Ehepaar Roswitha und Michael Walter im Frühjahr 2006 kann sich die kulturell bedeutsame Burg hervorragend in die touristische Szene des Härtsfeldes und der gesamten Region einfügen.
Roswitha und Michael Walter haben 2006 einen auf drei Jahre ausgelegte Pachtvertrag mit Kaufoption abgeschlossen. Man hat kräftig anpacken müssen. Was die Übernachtungsmöglichkeiten in den fünf Appartements betrifft, ist man Schritt für Schritt vorgehen und hat diese renoviert. Natürlich ist die Anlage auch (gegen eine Eintrittsgebühr) begehbar. Es gibt Erlebnisgastronomie, ebenso historische Märkte oder Arrangements für Schulklassen und Familien mit Kindern. Seit 1. April 2006 ist Burg Katzenstein wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Dornröschenschlaf hat knapp zwanzig Jahre gedauert. 2008 wurde die Kaufoption wahrgenommen und die Familie Walter ist seitdem Eigentümer der Burg Katzenstein. Michael Walter sagt aber sehr treffend: "Eine solche Burg besitzen sie eigentlich nicht, sondern ein solches Objekt besitzt sie." Seit Frühjahr 2009 ist nun auch der 30 Meter hohe Katzenturm wieder zugänglich.
Eine weitere Initiative für die Burg hat sich durch den Verein Burgverein Pro Katzenstein e.V. etabliert.


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